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Die Reichweitenlüge

Angaben zur Reichweite sind oft zu optimistisch

Der Umstieg vom klassischen Verbrenner auf ein Elektroauto sorgt bei vielen Neulingen schnell für Ernüchterung, sobald der Blick auf die verbleibende Batterieladung fällt. Der Vorwurf der bewussten Täuschung steht schnell im Raum, und manch ein Enttäuschter zieht bereits Parallelen zu vergangenen Abgasskandalen. Ein Blick auf aktuelle Wintertests des ADAC und die laufenden Debatten von Verbraucherschützern zeigt jedoch, dass die Realität oft 20 bis 30 Prozent hinter den Herstellerangaben zurückbleibt, ohne dass man rechtlich direkt von Betrug sprechen kann.


Zwischen Prospekt und Pannenstreifen: Was an der „Reichweitenlüge“ wirklich dran ist

Der eigentliche Sündenbock für diese Abweichungen trägt den Namen WLTP. Dieses weltweit harmonisierte Prüfverfahren ermittelt die Reichweite unter strengen Laborbedingungen bei optimalen Temperaturen und ohne den Einsatz von Klimaanlage oder Heizung. Da dieser standardisierte Zyklus primär der Vergleichbarkeit dient, bildet er den harten deutschen Verkehrsalltag mit schnellen Autobahnetappen kaum realistisch ab.

Wer sind die Reichweitenkiller im Alltag?

In der Praxis treffen dann die wahren Reichweiten-Killer aufeinander, allen voran die Fahrgeschwindigkeit. Auf der Autobahn treibt der exponentiell steigende Luftwiderstand den Strombedarf drastisch in die Höhe. Kommen dann noch niedrige Temperaturen hinzu, sinkt die chemische Leistungsfähigkeit der Batteriezellen, während die elektrische Innenraumheizung massiv Energie aus dem Akku saugt.

Juristische Bewertung zum Schadenersat

Diese Diskrepanz beschäftigt mittlerweile auch vermehrt Juristen und Verbraucherschützer. Es wird intensiv darüber diskutiert, ab welcher prozentualen Abweichung eine geringere Reichweite als Sachmangel gilt, der Käufer zu einer Minderung des Kaufpreises oder gar zur Rückabwicklung des Vertrags berechtigt. Da die Hersteller jedoch formal korrekte Gesetzeswerte angeben, bleibt der Klageweg für den Einzelnen eine rechtliche Grauzone.
 
Für den Autokauf bedeutet dies vor allem, dass Konsumenten umdenken müssen. Als goldene Faustregel gilt, im Alltag pauschal 20 Prozent und bei frostigen Temperaturen im Winter sogar bis zu 40 Prozent von den offiziellen Angaben abzuziehen. Wer vor dem Kauf auf Nummer sicher gehen will, sollte sich daher weniger an den bunten Hochglanzprospekten orientieren, sondern gezielt nach unabhängigen Messwerten wie dem ADAC EcoTest suchen.
 

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